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Weinbauinfo Nr.8-2018

Datum: 30.05.2018

Weinbauinfo Nr. 8 vom 30.05.2018

 

Allgemeiner Entwicklungsstand:

Die Blüte schreitet rasant voran und hat in den Top Lagen des Kaiserstuhls bereits das Stadium „abgehende Blüte“ erreicht. Die meisten Lagen im Beratungsgebiet liegen derzeit zwischen 20 % und 50 % Blüte und so ist dort das Bioregulatoren – „Fenster“ nach wie vor offen. Die Anwendungsbestimmungen und Aufwandmengen bzw. Produktspezifikationen zum Bioregulatoreinsatz sind der Weinbauinfo Nr. 7 zu entnehmen. Der Gesundheitszustand der Bestände ist hervorragend, so wurde bisher für das Beratungsgebiet kein einziger Ölfleck gemeldet. Die Wetterprognose meldet für die kommenden Tage unstabiles Wetter mit hoher Gewitterneigung, was uns vor allem für die weitere Terminierung des Pflanzenschutzes Probleme bereitet. Dazu ein Auszug aus dem Wetterfax: Tiefer Luftdruck und schwül-warme Luft bilden in dieser Woche eine bedrohliche Kombination. Fast täglich müssen wir mit Schauern und Gewittern rechnen. Weil diese Schauer- und Gewitterzellen wegen der nur schwachen Höhenwinde nur langsam ziehen, kann sich der Regen an manchen Orten zu wahren Sintfluten auswachsen, während es andernorts bei Donnergrollen bleibt. Die hohe Gewitterneigung dürfte erst zum Wochenende langsam nachlassen.

 

Tierische Schädlinge:

Traubenwickler:

Die Rebschutzwarte werden gebeten die Fallen für die bald beginnende zweite Generation des Traubenwicklers auszurüsten und die Fangzahlen weiterhin im gewohnten Schema der Weinbauberatung zu melden.

Aktuelle Fangzahlen der jeweiligen Gemarkung sind beim Rebschutzwart zu erfragen bzw. können unter www.vitimeteo.de eingesehen werden.



Springwurm:

Vereinzelt gehen Meldungen von zusammengerollten Blättern mit einem dem einbindigen Traubenwickler ähnlichen Wurm darin ein. Es handelt sich hierbei um den Springwurm, eine Bekämpfung ist nicht nötig.

 

Pilzkrankheiten:

Peronospora:

Abgeblühte Gescheine sind sehr empfindlich gegenüber Peronosporainfektionen, da die jungen Beerchen bisher keinen Schutzbelag erhalten haben. Vor diesem Hintergrund und der aktuell sehr unsicheren Wetterprognose ab Donnerstag wird empfohlen das sehr günstige Spritzfenster auszunutzen und eine Belagserneuerung durchzuführen. Begonnen werden sollte mit den am weitesten abgeblühten Anlagen um dort die Belagslücken zu schließen. Vor allem die Betriebe deren letzte Pflanzenschutzmaßnahme vor Pfingsten (18.-19.5) lag werden diesen Schritt wählen. Zum Einsatz kommt ein Kontaktmittel wie z.B. Enervin (2,5 kg/ha), Polyram WG (2,0 kg/ha), Folpan 80 WDG (1,0 kg/ha) oder Profiler (1,875 kg/ha, Achtung: kein zusätzliches Phosphonat nötig!) plus Veriphos (3,0 l/ha) oder Frutogard (3,0 l/ha).

 

Die Betriebe deren Spritzabstand erst bei ca. 7 Tagen liegt, können auch noch bis zum Wochenende mit der nächsten Pflanzenschutzmaßnahme warten um näher an den Termin „abgehende Blüte“ zu kommen. Fallen bis dahin die prognostizierten Niederschläge, sollte auf jeden Fall eine Behandlung mit einem kurativ wirkenden Mittel umgesetzt werden. Zum Einsatz kommt dann z.B. Forum Star/Gold (1,2 kg/ha), Melody Combi (1,5 kg/ha) oder Sanvino (1,0 kg/ha).

Problematisch ist allerdings die nicht gewährleistete ausreichende Befahrbarkeit je nach Umfang der Niederschläge.

 

Oidium:

Wie bei Peronospora gilt auch für Oidium dass die Blüte die empfindlichste Phase für Infektionen darstellt, so dass auf die organischen Mittel der neuesten Generation wie z.B. Sercadis (0,15 l/ha), LunaExperience (0,3125 l/ha) oder Talendo (0,25 l/ha) zurückgegriffen werden sollte.

Die Mittelmenge errechnet sich aus dem Basisaufwand x 2,5; die Wassermenge beträgt 800 l/ha.

Bitte Wirkstoffklassen der einzelnen Mittel unbedingt beachten, maximal 2 x pro Saison einsetzen und nicht aufeinanderfolgend verwenden.

Es sind die Anweisungen auf der Gebrauchsanleitung zu beachten. Ebenso sind alle Maßnahmen zur Umsetzung der Antiresistenzstrategie (Wirkstoffgruppenwechsel) anzuwenden.

 

Weinbauliche Hinweise:

Nach der Blüte kann mit moderaten Handentblätterungen begonnen werden. Dadurch wird die Abtrocknung und Abhärtung der wachsenden Beeren gefördert und die Applikationsqualität der weiteren Pflanzenschutzmaßnahmen verbessert. Weiterhin stellt die Entblätterung ein sehr wirksames Instrument zur Kirschessigfliegenbekämpfung dar.

Auch maschinelle Entblätterungsmaßnahmen wie z.B. Ausblasen sollten geplant werden, da diese in dem sehr engen Zeitfenster Schrotkorn- bis Erbsengröße durchgeführt werden sollten und dieses möglicherweise schnell erreicht wird.

 

Wer aufmerksam durch die Bestände geht stellt fest, dass wir dieses Jahr außergewöhnlich große und gut entwickelte Gescheine haben. Viele Triebe dazu mit 3-4 Gescheinen und ebenfalls erstaunlich, Traubenschultern die fast gleich groß wie die Haupttrauben sind. Nach der Blüte sind erste qualitätsverbessernde Maßnahmen noch mit einem geringen Zeitaufwand durchführbar, welcher mit dem weiteren Wachstum der Trauben/Beeren rasch zunimmt. Es wird empfohlen bereits frühzeitig die Weichen für eine ordentliche Menge – Güte Relation zu stellen und überzählige Trauben bzw. Traubenteile zu entfernen.



Sonstige Hinweise

Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen:

Nach erfolgter Pflanzung bzw. Montage von Tropfschläuchen sind die Materialrechnungen möglichst umgehend, jedoch spätestens zum 15. Juli beim zuständigen Landwirtschaftsamt einzureichen.

 

Die nächste Weinbauinfo folgt, sofern nicht anders erforderlich, in KW 23

 

Gez. Renz

Weinbauberatung Landkreis Emmendingen

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